Gesundheitspost

Ausgabe: Winter 2009

Antidiabetika vor der Entdeckung des Insulins

Das lebensrettende Hormon Insulin ist erst seit 1922 verfügbar. Vor seiner Entdeckung wurden Diabetiker mit Arzneimitteln und Heilmethoden behandelt, die zum Teil auch heute noch verwendet werden.

Aus Papyrusschriften des alten Ägypten und Aufzeichnungen griechischer Ärzte der vorchristlichen Jahrhunderte geht hervor, dass der Zusammenhang zwischen oben genannten Symptomen und der Erkrankung "Diabetes" (aus dem Griechischen "hindurchgehen") bereits bekannt war. Die wahre Natur der Krankheit - der Ausfall der für die Regulierung des Blutzuckerspiegels zuständigen Teile der Bauchspeicheldrüse und die daraus folgende Erhöhung des Blutzuckerspiegels - wurde aber erst Ende des 19. Jh. erforscht.

So finden wir in der Vergangenheit eine bunte Vielzahl von Mitteln und Präparaten, die bei Diabetikern eingesetzt wurden. Eine angeblich antidiabetische Wirkung wurde uransalzen, brom, arsensalzen, chinin, speisesoda und salicylaten zugeschrieben.

Der französische Apotheker Apollinaire Bouchardat (1806 - 1886) führte eine spezielle Diät für Diabetiker ein, die sogenannte Bouchardat´sche "Diät":
"mangez le moins possible" (essen Sie sowenig wie möglich). Sie beinhaltete einen hohen Anteil tierischen Eiweißes und den weitestgehenden Ersatz der Kohlenhydrate durch tierische und pflanzliche Fette. Weiters erkannte Bouchardat die Bedeutung von körperlicher Betätigung sowie der Verringerung des Körpergewichtes für die Betroffenen.

Regelrechte Hungerkuren wurden auch in Schottland des 18. Jh. mit dieser "Fleischdiät" den armen Kranken zugemutet. Opium wurde seit der Antike bei Diabetes verwendet, die Erklärung dafür folgte dann im 20 Jh.: "Nach Mengen von 0,1g bis 15g (!) Opium sollten die diabetestypischen Durstgefühle und der Hunger während der verordneten Fastenkuren verschwinden".

An der Grenze zwischen diätetischen und medizinischen Maßnahmen standen Trinkkuren mit Heil- und Mineralwässern in berühmten Kurorten. Dabei kann man sich vorstellen, dass der Kuraufenthalt an sich, der Aufenthalt in frischer Luft, die Muße, das Befreitsein von der Sorge des täglichen Lebens und die regelmäßige körperliche Bewegung den Gesundheitszustand der Patienten günstig beeinflusste.

Manche Therapeuten, wie der Karlsbader Badearzt Emil Schnée (1836 bis 1906) reglementierten das gesamte Leben des Diabetikers weit über das Diätetische hinaus. Auch vor Eingriffen in das Intimleben schreckte man offensichtlich nicht zurück, er schreibt lakonisch in seiner Schrift "Die Zuckerharnruhr": "Bezüglich des sexuellen Verkehrs verbieten viele meiner Kollegen, was bei fortgeschrittener Krankheit überhaupt nicht mehr verboten zu werden braucht, da es von selbst aufhört."

Aus dem Pflanzenreich gab es über 100 verschiedene antidiabetisch wirksame Heilmittel. Vier dieser Heilpflanzen sind besonders hervorzuheben:

Gartenbohne Phaseolus vulgaris
Heidelbeere Vaccinium myrtillus
Geissraute Galega officinalis
Javapflaume Syzygium cumini

Heidelbeerblätter und Bohnenschalen:

Letztere wurden in den 1920er Jahren vom Frankfurter Mediziner E. Kaufmann erforscht, der "insulinartige Pflanzenextrakte", die in Frankreich "Insulinoide" genannt wurden, herstellte.

Die Geissraute

Diese traditionell als Antidiabetikum angewendete Heilpflanze beinhaltet einen Wirkstoff, Galegin, der in weiterer Folge 1950 zur Entwicklung des Metformins (Glucophage®, Diabetex®,...) führte, das heute noch zum Standard der oralen Diabetestherapie gehört.

Die Javapflaume

Die Javapflaume, die auf dem gleichen Wirkprinzip beruht, wurde erst in den 1880er Jahren in Europa bekannt, als eine britische Handelsgesellschaft die Früchte der in West-Indien und auf Java als Antidiabetikum bekannten Heilpflanze importierte. Die Pflanzenextrakte hemmen Kohlenhydrat spaltende Enzyme, die für den Zuckerabbau verantwortlich sind.

Diese Beispiele zeigen, dass frühere Therapien die auf Erfahrung basierten, nicht völlig unsinnig waren. Der große Fortschritt der Pharmazie und Medizin ist jedoch die Entdeckung des Insulins 1922 durch den kanadischen Nobelpreisträger Sir Frederick Grant Bantig!

Nährstoffempfehlungen bei Diabetes

Vitamin C
1-2 g (Empfohlene Tagesdosis) kann als Komplex mit Bioflavonoiden eingenommen werden. Es hilft, den Blutzuckergehalt zu regulieren, kleine Blutgefäße zu stärken und das Herzinfarktrisiko zu vermindern.

Vitamin E
hilft den Medikamenten- oder Insulinbedarf im Maße zu halten. Es vermindert die Verklumpung von Blutplättchen (abnorme Verklumpung ist ein Merkmal von Diabetes) und kann die Blutfettwerte senken, was das Risiko von Herzkranzgefäß-Erkrankungen vermindert.

Chrom
ist für die Bildung des Glukosetoleranz-Faktors essentiell und kann Nervenschädigungen vermindern.

Auch Niacin, Vitamin B Komplex, Zink, Magnesium, Nachtkerzenöl können in vielerlei Weise unterstützen.

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