Ausgabe: Frühjahr 2006
Diesmal geht es in unserer Bezirkschronik um die schwere Zeit vor, während und nach dem 2. Weltkrieg. Der Beitrag ist dem Gedenkjahr 2005 gewidmet.
Schlimmer konnte es kaum kommen: Zuerst die Massenarbeitslosigkeit, die Februarkämpfe von 1934 und der Einmarsch der Deutschen am 12.3.1938. Dann die Vertreibung und später auch der Massenmord an den jüdischen Mitbürgern. Die Verfolgung politisch Andersdenkender durch die Nazis. Und am Ende fünfeinhalb Jahre totaler Krieg an vielen Fronten.
All das passierte auch in Ottakring.
Für ein Schmalzbrot und einen Apfel wird ein 13-jähriger aus Sandleiten zum Wahlhelfer für Hitler. Aber er empfindet tiefe Betroffenheit, als Ottakringer Juden 1938 gezwungen werden, den Gehsteig auf der Wilheminenstraße mit Zahnbürsten zu reinigen ...
Widerstandszellen in Ottakring bestehen zB bei den Straßenbahnern am Joachimsthalerplatz und in der Strumpffabrik „Amazone“ in der Odoakergasse. Verdächtige landen ab März 1938 in den Gefängnissen und Konzentrationslagern, in Strafkompanien an der Front oder werden hingerichtet.
Über 300.000 ÖsterreicherInnen sterben als Soldaten oder Zivilisten im Zweiten Weltkrieg. Die Abschiede der Väter, Ehemänner, Brüder ... nach jedem Heimaturlaub sind entsetzlich. Keiner weiß, wenn er sich verabschiedet, ob er jemals wieder nach Haus kommen wird.
In der Endphase des 2. Weltkrieges erreichen die Bombenangriffe der Alliierten auch Wien. Fast jeden Tag hört man den „Kukuck“, das Alarmsignal, im Radioprogramm. Dann heißt es: Ab in den Luftschutzkeller! In Ottakring werden 2500 Wohnungen, 120 Fabriken und 30 sonstige Gebäude zerstört. Der Bombenkrieg fordert auch viele Tote. Ein Bombenopfer in Ottakring ist der bekannte Komponist Hans von Frankowski, der Schöpfer von ca. 400 Wienerliedern.
Der Krieg bringt unsägliches Leid für die meisten Familien – oder, wie es eine Ottakringerin treffend ausdrückt: „Der Hitler hat uns unsre Jugend g’stohlen!“
Ab 6.4.1945 wird Wien durch die russische Armee befreit. Während der Kämpfe gelingt es jungen Widerstandskämpfern aus Ottakring und Hernals, die SS teilweise zu entwaffnen und eine kampflose Übergabe von Teilen dieser Bezirke an die Russen zu ermöglichen. Aber auch diese Befreiung ist mit vielen Opfern (Tote, Plünderungen und Vergewaltigungen) verbunden.
Bis 1947 kehren die meisten Kriegsgefangenen nach Hause zurück. Nach dem Staatsvertrag 1955 ziehen die alliierten Besatzungstruppen ab und Österreich ist endlich wieder frei!
Die MarienApotheke war stets in Betrieb und konnte so die Bevölkerung in all diesen schweren Jahren mit Arzneimitteln versorgen.
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