Gesundheitspost

Ausgabe: Frühjahr/Sommer 2009

Ottakringer Berufe vor 100 Jahren - letzte Folge

In den letzten beiden Ausgaben der Gesundheitspost haben Sie 9 seltene oder ausgestorbene Berufe aus dem alten Ottakring kennen gelernt. Hier lesen Sie den letzten Teil unseres heiteren Beruferatens.

Frage 10: Was ist bzw. tut ein Tuchscherer?

Ist der Tuchscherer jemand, a) der Schafe schert, b) der Stoffe versteigert, c) jemand vom Marktamt,der Qualitätskontrollen bei Textilien macht, d) jemand, der Wollstoffe fertig stellt

Frage 11: Welcher Beruf entspricht heute dem "Wagner" von damals?

a) Waagenhersteller, b) KfZ-Mechaniker, c) Schmied, d) Möbeltischler


Damit sind wir am Ende unserer Serie zu den seltenen / ausgestorbenen Berufen aus dem alten Ottakring angelangt.

Oder doch nicht ganz: der nächste Beitrag wird sich mit dem Wein - rund um die Marienapotheke gestern und heute - beschäftigen. Obwohl es nur mehr wenige Weinhauer gibt, ist Wein und Weinbau bis heute ein wichtiger Teil der Kultur unseres Bezirkes. Wir finden seine Spuren in Geschichte und Chronik, bei Festen, in der Musik und Literatur und in der Wirtschaft Ottakrings. Freuen Sie sich auf eine Kultur-Entdeckungsreise, an der auch Sie teilnehmen können!

Noch eine Bitte: Wenn Sie privat alte Fotos von Ottakringer Weinbaubetrieben/Heurigen etc. haben, ersuchen wir Sie, uns diese zur Verfügung zu stellen. Das älteste Foto gewinnt einen Marien-Apotheken-Preis!

Antwort zu Frage 10:

Der Tuchscherer ist ein alter Handwerksberuf in der Textilherstellung. Die Tätigkeit wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch Maschinen ausgeführt. Das Tuchscheren ist ein wichtiger Arbeitsvorgang bei der Feintuchherstellung. Es bedurfte einer besonderen Qualifikation, die 18 kg schweren Scheren über den Stoff gleiten zu lassen, um die feinen überstehenden Wollfadenreste abzuschneiden, dieser Vorgang wurde mehrfach wiederholt. Während die Weber ursprünglich in Heimarbeit ihrer Tätigkeit nachgingen, waren die Tuchscherer Beschäftigte der Tuchkaufleute, wohnten und arbeiteten zumeist in deren Manufakturen. Erste Arbeitskämpfe gegen die schweren Arbeitsbedingungen sind bereits aus dem 18. Jahrhundert bekannt, davon leitet sich der Begriff"Schererei" ab.

Antwort zu Frage 11:

Der alte Handwerksberuf des "Wagners" produzierte alle Arten von Wagen, Kutschen und Schlitten und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz. Dazu gehörte vor allem auch die Herstellung der Wagenräder aus Holz. Im Norden Deutschlands heißt dieser Beruf „Stellmacherei“. Wagner bauten auch die ersten, noch nicht industriell gefertigten Eisenbahnwaggons und Automobile. Die (logischen) Nachfolgeberufe des Wagners sind daher der KfZMechaniker, der KfZ-Spengler und der Karosseur.

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© MarienApotheke, Mag. pharm. Monika ALVARADO-DUPUY KG, Rückertgasse 26, 1160 Wien