Gesundheitspost

Ausgabe: Frühjahr 2008 / Auflösung

Auflösung der Quizfragen aus der Gesundheitspost

Frage 1 zu den „Ottakringer Berufen vor 100 Jahren“ lautete:

Wie viele selbständige Hebammen gab es vor 100 Jahren in Ottakring?

a) 18, b) 35, c) 61, d) 97 oder e) 113 ?

Richtig ist Antwort e)

Ottakring hatte damals 179.000 Einwohner und eine Geburtenzahl von 4000-5000 Kindern pro Jahr. Das heißt, auf eine Hebamme kamen pro Jahr ca. 35 Geburten.

 

Frage 2 lautete:

Wie viele freiberufliche Hebammen gibt es heute in Ottakring?

a) 2, b) 4, c) 6 oder d) 19?

Richtig ist Antwort c)

Heute kommen im Bezirk Ottakring bei 93000 Einwohnern gerade 1000 Kinder pro Jahr auf die Welt, nahezu ausschließlich in Spitälern und Entbindungszentren, ZB im Wilhelminenspital.

Die 6 freiberuflich tätigen Hebammen besuchen und beraten die Schwangeren, Wöchnerinnen und Babys, die sie betreuen, zuhause und bei der Entbindung in einem Spital oder einem Geburtenzentrum.

Weiterführende Informationen dazu erhalten Sie unter:

 www.wien.hebammen.at/hebammensuche/bezirk_16.htm

 

Frage 3 zu den „Ottakringer Berufen vor 100 Jahren“ lautete:

Was ist ein Dutt ?

a) ein Schlecker, b) ein Kaugummi, c) ein Schnuller, d) ein Sauger für ein Fläschen ?

Richtig ist eigentlich nur die Antwort d)

schnuller„Dutt“ oder „Dutte“ ist ein Bezeichnung aus dem Volksmund für „Zitze“.

Die von der Fa. Rogan hergestellten „Kindersaugdutten“ werden daher Sauger für Fläschchen gewesen sein. Da ein Corpus delicti aber nicht vorhanden ist (vielleicht im Bezirksmuseum?), muss man wohl auch die Antwort c) gelten lassen.

 

 

 

 

Frage 4 zu den „Ottakringer Berufen vor 100 Jahren“ lautete:

Was war das zweithäufigste Gewerbe (nach den Gastwirten) in Ottakring um 1900?

a) die Tischler, b) die Glaser, c) die Ziseleure, d) die Drechsler, vor allem die Perlmuttdrechsler ?

 Richtig ist Antwort d)

Es klingt unglaublich, aber in  Ottakring gab es um 1908 mehr als 300 Drechsler, dh. nur knapp weniger Betriebe als im ganzen Gastgewerbe zusammen (ca. 350 Betriebe), und etwas mehr als die 292 Tischler. 164 Drechsler-Betriebe waren sogenannte „Perlmutter“, die auf die Herstellung von Knöpfen, vor allem aus Muscheln, spezialisiert waren.

knopfWie kommt es zu der hohen Zahl dieser Betriebe? zB 12 Perlmutter in der Lienfeldergasse, je 10 Betriebe in der Seitenberggasse und in der Degengasse, 8 Perlmutter in der Redtenbachergasse, 7 in der Wurlitzergasse, 5 in der Rückertgasse und 4 in der Speckbachergasse.

Man muss sich diese Perlmutter als Familienbetriebe vorstellen, wo ein Erwachsener auf seiner Drehbank die Knöpfe herstellte und andere Familienangehörige mit Vorbereitungs- oder Endfertigungsarbeiten beschäftigt waren. Es wurde dazu weder eine besondere Werkstätte, noch ein besonderer Maschinenpark oder eine höhere Zahl von Arbeitskräften benötigt. Erst der drastische Rückgang der Flussperlmuschel in Europa und die industrielle Fertigung von Knöpfen hat dieses bescheidene Gewerbe dann verdrängt.

Die bis dahin produzierten Mengen waren aber recht groß, wie wir aus den Abfällen jener Zeit, die als Straßenbaumaterial verwendet wurden, schließen können.

 

Frage 5 zu den „Ottakringer Berufen vor 100 Jahren" lautete:

Was ist ein „Roso(g)lio“?

a) ein Likör mit Rosenblüten-Extrakt, b) ein Süsswein, c) ein Wermut-Getränk, d) ein Rosen-Schnaps aus Italien?

Richtig ist Antwort a)

Im 13. Jahrhundert stellte der berühmte Arzt aus Padua, Michele Savonarola, für die Frau eines Kaufmannes ein Medikament aus "Aquavite", Honig und Rosenöl her. Damit war der berühmte "Rosolio" geschaffen, aus dem sich fast alle modernen Liköre ableiten lassen.

rosolioDer Rosolio der Neuzeit entsteht über Aufgüsse und Destillate von Blüten und Früchten. Orangenblüten und – blätter, Jasminblüten und –blätter, Zimt, Iris, Vanille, etwas Zucker und Gewürze werden für die Herstellung benötigt. Im Zentrum steht das unglaublich intensive Öl der ( meist bulgarischen) Rosen. Der Likör hat 27 Volumsprozente Alkohol und zeichnet sich durch einen durchdringenden Duft und starkes Aroma aus.

In der bürgerlichen Gesellschaft Italiens des 19. Jahrhunderts (vor allem im Piemont) war der Rosolio für die Frauen das, was der Barolo Chinato (Wein mit Chinarinde) für die Männer war: ein Tropfen, den man vor allem in Gesellschaft genoss.

Rosoglio kommt auch in Nestroys „Lumpazivagabundus“ vor, oder in Schuberts Terzett D 37 Die Advokaten (op. 74), ein Hinweis auf die Beliebtheit auch im alten Österreich.

Eine Verbindung zu Ottakring lässt sich auch über die Marke Casali herstellen, die jetzt zur Firmengruppe MANNER gehört.

In Triest begann 1792 der Aufstieg der Firma Casali, der sich später in Wien fortsetzte. Der Gründer des Unternehmens, Joseph Casali produzierte Rum, Punsch und Rosolio, vor allem auch für die Belieferung der Reichshauptstadt.

Die ursprünglich ganz auf Spirituosen ausgerichtete Produktpalette von Casali wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts um den Süßwarenbereich erweitert (mit Likören gefüllter Konfekt etc.), später auch um die Napoli-Schnitten. Heute sind die bekannten Casali-Produkte Teile des Sortiments von Manner. Nähere Hinweise dazu auf der Website von MANNER unter:
www.manner.at

 

Frage 6 zu den „Ottakringer Berufen vor 100 Jahren“ lautete:

Wie viele Branntweinausschanke gab es vor 100 Jahren in Ottakring?

a) 15, b) 32, c) 78, d) 99, e) 132

Richtig ist Antwort c)

Die Zahl zeigt, wie hoch der Alkoholkonsum, v.a. der männlichen Bevölkerung, vor 100 Jahren gewesen sein muss, gab es doch fast an jeder Straßenecke auch ein Wirtshaus. Diese „Branntweiner“ hatten den ganzen Tag über geöffnet, von sehr früh am Morgen (vor Arbeitsbeginn) bis spät abends und versorgten ihre Kundschaft mit Schnaps, Rum und anderen Alkoholika.

 

Frage 7 zu den „Ottakringer Berufen vor 100 Jahren“ lautete:

Was tut ein Posamentier?

a) er schleift Marmorplatten; b) er produziert kandierte Früchte; c) er stellt Bänder, Borten, Quasten zur Verzierung von Uniformen, Vorhängen und Möbeln her

Richtig ist Antwort c)

Der Posamentier war einer der prägenden Beruf im Zeitalter der Uniformen. Zum Zauber der Montur, zu Orden und Ehrenzeichen und zur Einrichtung der Salons im 19. Jahrhundert (Sitzmöbel, Vorhänge etc.) gehörten Bänder, Kordeln, Quasten, Tressen, Borten und andere Verzierungen unverzichtbar dazu. Besonders prächtig waren die mit Silber- oder Goldfäden übersponnenen Borten oder Quasten. Je schmucker, desto besser!

 

Frage 8 zu den „Ottakringer Berufen vor 100 Jahren“ lautete:

Was ist ein „Flecksieder“?

a) ein Alttextiliensammler, b) ein auf Innereien, v.a. auf die Verarbeitung von Kutteln (Kaldaunen) spezialisierter Fleischhauer, c) ein Putzereibetrieb

Richtig ist Antwort b)

kuttelnKuttelflecke (ital. „Trippa“), das sind Kalbs- oder Rindermägen, uU auch Schweinemägen, die in jedem Schlachthof in größeren Mengen anfallen, sind in der österreichischen Küche nicht so prominent vertreten, wie in anderen Ländern. Möglichst frisch und sorgfältig verarbeitet, waren und sind sie aber auch bei uns Ausgangsprodukt für besondere kulinarische Spezialitäten. Sie wurden und werden vor allem zu „Kuttelfleck-Suppen“ verarbeitet. Der „Flecksieder“ hatte vor allem die Aufgabe, die Mägen gründlich zu reinigen, zu bürsten und vorzukochen.

 

 

 

Frage 9 zu den „Ottakringer Berufen vor 100 Jahren“ lautete:

Ist „Brunolein“

a) eine besondere Form des Brunnengrabens; b) eine Form der Leimherstellung; c) eine Möbelbeize auf der Grundlage von Leinöl?

Richtig ist Antwort c)

Brunolein war ein Präparat zum Mattieren, Beizen und Wichsen von Eichen- und Nußholzmöbeln. Es bestand aus in Terpentinöl gelösten Leinölbleipflastern. In Ottakring gab es einen Betrieb, der dieses Präparat herstellte.

 

Frage 10 zu den „Ottakringer Berufen vor 100 Jahren“ lautete:

Was ist bzw. tut ein Tuchscherer ?

Ist der Tuchscherer jemand, a) der Schafe schert, b) der Stoffe versteigert, c) jemand vom Marktamt, der Qualitätskontrollen bei Textilien macht, d) jemand, der Wollstoffe fertig stellt?

Richtig ist Antwort d)

tuchschererDer Tuchscherer ist ein alter Handwerksberuf in der Textilherstellung. Die Tätigkeit wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch Maschinen ausgeführt. Das Tuchscheren ist ein wichtiger Arbeitsvorgang bei der Feintuchherstellung. Es bedurfte einer besonderen Qualifikation, die 18 kg schweren Scheren über den Stoff gleiten zu lassen, um die feinen überstehenden Wollfadenreste abzuschneiden, dieser Vorgang wurde mehrfach wiederholt.

Während die Weber ursprünglich in Heimarbeit ihrer Tätigkeit nachgingen, waren die Tuchscherer Beschäftigte der Tuchkaufleute, wohnten und arbeiteten zumeist in deren Manufakturen. Erste Arbeitskämpfe gegen die schweren Arbeitsbedingungen sind bereits aus dem 18. Jahrhundert bekannt, davon leitet sich der Begriff „Schererei“ ab.

 

 

Frage 11 zu den „Ottakringer Berufen vor 100 Jahren“ lautete:

Welcher Beruf entspricht heute dem „Wagner“ von damals?

a) Waagenhersteller, b) KfZ-Mechaniker, c) Schmied, d) Möbeltischler

Richtig ist Antwort b)

Der alte Handwerksberuf des „Wagners“ produzierte alle Arten von Wagen, Kutschen und Schlitten und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz. Dazu gehörte vor allem auch die Herstellung der Wagenräder aus Holz. Im Norden Deutschlands heißt dieser Beruf „Stellmacherei“.

Wagner bauten auch die ersten, noch nicht industriell gefertigten Eisenbahnwaggons und Automobile.

Die (logischen) Nachfolgeberufe des Wagners sind daher der KfZ-Mechaniker, der KfZ-Spengler und der Karosseur.

 

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